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Hochschule für Philosophie München

Gesichtet
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Hochschule für Philosophie München
Gründung 1925 in Pullach,
seit 1971 in München
Trägerschaft kirchlich (Jesuitenorden)
Ort München
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Präsident Johannes Wallacher
Studierende 391 (SoSe 2023)[1]
Mitarbeiter 78 (2022)[2]
davon Professoren 9 (WS 2025/26)[3]
Website www.hfph.de

Die Hochschule für Philosophie München (HFPH) ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Gesellschaft Jesu.

Die Hochschule in der Kaulbachstraße in München liegt in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek München und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Studiengänge der Philosophie können mit Bachelor und Master abgeschlossen werden, auch Promotion und Habilitation sind möglich. Daneben gibt es verschiedene Weiterbildungsangebote.

An der HFPH unterrichten 9 Professoren, hinzu kommen wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrbeauftragte.

Innenhof der HFPH im Juni 2015

Gemäß der Satzung[4] sind Ziel und Aufgabe der Hochschule für Philosophie München:

  • Philosophie zu treiben und die Kenntnis der Philosophiegeschichte zu fördern;
  • die Beziehungen zwischen Philosophie und anderen Wissenschaften, insbesondere der Theologie, zu reflektieren;
  • die Erkenntnisse der Philosophie für das Leben und Zusammenleben der Menschen nutzbar zu machen.

Die Hochschule wurde 1925 von dem späteren Kardinal Bea als Berchmanskolleg in Pullach bei München gegründet. Der Name stammte von dem 1621 verstorbenen und 1888 heiliggesprochenen flämischen Jesuitenstudenten Jan Berchmans. Das Berchmanskolleg war ursprünglich ein der Ausbildung der Jesuiten gewidmetes Studienhaus, in dem die Studenten und Dozenten der Gesellschaft Jesu wohnten und lebten. In diesem Ordenshaus fanden zugleich die auf das Theologiestudium ausgerichteten philosophischen Vorlesungen statt. Bereits in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens erreichte die Ordenshochschule einen hervorragenden wissenschaftlichen Ruf als philosophische Ausbildungsstätte.

In der Zeit des Nationalsozialismus war das Berchmanskolleg ein Treffpunkt der Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises. Eine 1997 angebrachte Gedenktafel am Eingang der heutigen Ordensniederlassung in der Münchner Kaulbachstraße erinnert noch heute an die Jesuiten Augustin Rösch, Rupert Mayer, Lothar König und Alfred Delp.[5]

Schon ab 1945 hat die Ordenshochschule alljährlich einige nicht dem Orden angehörende Studenten aufgenommen.

Im Jahre 1971 wurde die Hochschule von Pullach nach München verlegt. Dem Geiste des II. Vatikanischen Konzils entsprechend, öffnete sich die Hochschule allen Studierenden, ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Seitdem wird der Name Berchmanskolleg nur für die Ordensniederlassung in der Münchner Kaulbachstraße verwendet. Die Pullacher Gebäude beherbergen heute die erzbischöflichen Tagesheimschulen Pullach.

Philosophische Tradition

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Aula der HFPH im April 2018

Die philosophische Tradition der Hochschule war bis in die 1970er Jahre vom Denken der Neuscholastik geprägt. Man orientierte sich vor allem an der Schule des Thomas von Aquin und anderer Klassiker des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Zeit ab 1938 gilt als ihre klassische Periode. Hier stand die Hochschule unter dem Einfluss von drei Professoren, die als das „Pullacher Dreigestirn“ galten: Josef de Vries (1898–1989), der vor allem Erkenntnistheorie, aber auch nahezu alle anderen Fächer dozierte und über 30 Jahre der Dekan der Fakultät war, Walter Brugger (1904–1990), der das bekannte „Philosophische Wörterbuch“ herausgab und eine große „Summe einer philosophischen Gotteslehre“ verfasste, und Johannes B. Lotz (1903–1992), der sich darum bemühte, die Philosophie der Neuscholastik mit dem Denken Martin Heideggers zu vermitteln.[6]

Mit der Emeritierung der drei verschwand ab den 1970er Jahren zunehmend die Vorherrschaft des scholastischen Erbes, und es erfolgte eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Gegenwartsphilosophie wie der Phänomenologie, der Existenzphilosophie, der sprachanalytischen Philosophie und der Philosophie des Geistes.

Heute zählen zu den Forschungsschwerpunkten[7] u. a. die Philosophische Anthropologie und Philosophie des Geistes, Praktische Philosophie und angewandte Ethik sowie Religionsphilosophie und Philosophische Gotteslehre. Die HFPH verfügt über verschiedene Forschungseinrichtungen:

Diese Schwerpunkte werden durch das Third-Mission-Institut „Zentrum für Globale Fragen“[15] (Gründung: 1971, als „Institut für Gesellschaftspolitik“) ergänzt.

An der Hochschule können die folgenden Studiengänge belegt werden:

  • 1-Fach-Bachelor in Philosophie (180 ECTS)[16]
  • konsekutiver Master in Philosophie (120 ECTS)[17]
  • Promotion in Philosophie zum Dr. phil.[18]

Im Bereich der Weiterbildung hat die Hochschule folgende Angebote:

  • weiterbildender Master Ethik in den Schwerpunkten Ethik des interkulturellen Dialogs, Medienethik, Medizinethik und Wirtschaftsethik (120 ECTS)[19]
  • Im Rahmen der weiterbildenden Master sind auch Modulstudien in den folgenden Schwerpunkten möglich: Ethik des interkulturellen Dialogs[20], Medienethik[21], Medizinethik[22] und Wirtschaftsethik[23] (je 36 ECTS)

Darüber hinaus bietet die Hochschule das Zertifikat Modulstudium „Philosophicum“ (60–80 ECTS)[24], das in einem Zeitrahmen von 1 bis 3 Jahren studiert werden kann, sowie die studienbegleitenden Zertifikate „Philosophie und Leadership“[25] und „Globale Solidarität“[26] an. Über die Kooperation „Modulstudien Philosophie“[27] können Studierende der TUM an der HFPH ECTS-Punkte in Philosophie erwerben.

  • Der Unternehmer Erich Lejeune stiftete 2012 den Erich-Lejeune-Lehrstuhl für Philosophie und Motivation unter der Leitung von Godehard Brüntrup. Im Jahre 2019 wurde der Lehrstuhl wieder eingestellt. Lejeune ist seit 2010 Dr. H.c. für Philosophie.

Aufsehen erregte die Hochschule 2025, als sie den Philosophen Sebastian Ostritsch zu einem Vortrag über Thomas von Aquins Nachdenken über Gottesbeweise und Immanuel Kants Kritik daran einlud und ihn wieder auslud, nachdem Studenten Ostritsch im Internet als „rechtsextremistischen Fundamentalisten“ bezeichnet hatten und ihm eine „gefährliche politische Agenda“ vorgeworfen worden war.[28][29] Die Hochschulleitung ließ erklären, sie sei „zu der Einschätzung gelangt, dass unter den gegebenen Begleitumständen der intendierte akademische Diskurs über Gottesbeweise nicht mehr gewährleistet werden konnte, weil er von anderen Themen überlagert werden würde“.[30] Die Zeit ordnete diese Absage als Cancel Culture ein, das „Einknicken der Hochschulleitung angesichts einiger Protestler“ sei ein „beschämender Vorgang“.[31] Auch weitere Medien wie die NZZ ordneten diese Ausladung als Canceln ein,[32] Gustav Seibt nannte den Vorgang in der Süddeutschen Zeitung ein „Theater der Diskursverweigerung“.[33] Die Hochschule betonte in einer offiziellen Stellungnahme, dass sie „einem rationalen und wertschätzenden Austausch von Argumenten“ verpflichtet ist und zur „Freiheit von Forschung, Lehre und Rede“ steht.[34] Die Buchvorstellung sei abgesagt worden, weil ein geordneter wissenschaftlicher Austausch angesichts der polarisierenden Äußerungen des Publizisten Ostritsch zu gesellschafts- und kirchenpolitischen Themen nicht gewährleistet werden konnte. Mehrere Medienberichte kommen zu der Einschätzung, dass sich der Fall Ostritsch nicht allein auf die Wissenschaftsfreiheit reduzieren ließe. Der Theologe Markus Striet kommentiert auf katholisch.de, dass das „Hochhalten der Wissenschaftsfreiheit erstaunt“.[35] Die Kirchenzeitung Kirche + Leben berichtet von der Solidaritätsbekundung des Rechtsradikalen Martin Sellner,[36] das Sonntagsblatt ordnet die Absage als „Deplatforming“ ein und verweist darauf, dass in Artikeln und Social-Media-Postings Ostritschs regelmäßig Begrifflichkeiten Verwendung finden würden, „die als ‚dog whistles‘ für die neue Rechte verstanden werden können. Die Nutzung solcher ‚dog whistles‘ […] ist in der neuen Rechten eine weit verbreitete Strategie, um die eigene Position innerhalb der Bewegung durch Codes klarzumachen, ohne offen rechte oder rechtsextreme Sprache zu verwenden.“[37]

Lehrende Professoren

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Emeritierte Professoren

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Verstorbene Professoren

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Alumni und weitere Studierende

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Alumni (Auswahl)

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Weitere Studenten (Auswahl)

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  • Erwin Teufel (* 1939), CDU-Politiker und von 1991 bis 2005 Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, studierte von 2005 bis 2008 (5 Semester) an der Hochschule, ohne einen Abschluss anzustreben; er gehört somit nicht zu den Alumni.
  1. Statistischer Bericht – Statistik der Studierenden – Sommersemester 2023. (XLSX; 1,1 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 13. April 2024.
  2. Statistischer Bericht – Statistik des Hochschulpersonals 2022. (XLSX; 1,5 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 13. April 2024.
  3. Professuren. In: hfph.de. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  4. https://www.hfph.de/studierende/downloads/allgemeines/hfph_satzung.pdf
  5. Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1, Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 47–50 (PDF; 1,1 MB (Memento vom 28. April 2014 im Internet Archive))
  6. Vgl. Vortrag von Gerd Haeffner am 14. November 2003 über Johannes B. Lotz (Memento vom 29. Mai 2014 im Internet Archive), S. 5–18 (pdf; 234 kB)
  7. https://www.hfph.de/forschung/forschungsschwerpunkte
  8. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/religionsphilosophie
  9. https://www.hfph.de/forschung/drittmittelprojekte/rottendorf-projekt
  10. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/naturphilosophie
  11. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/religionsphilosophie/pannenberg-forschungsstelle
  12. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/ethik-und-sozialphilosophie
  13. https://zemdg.de/
  14. https://www.center-responsible-ai.de/
  15. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/globalefragen
  16. https://www.hfph.de/studieninteressierte/bachelor/studieren
  17. https://www.hfph.de/studieninteressierte/bachelor/studieren
  18. https://www.hfph.de/studieninteressierte/promotion
  19. https://www.hfph.de/weiterbildung/weiterbildung-in-philosophie
  20. https://www.hfph.de/weiterbildung/zertifikat-ethik-des-interkulturellen-dialogs/studieren
  21. https://www.hfph.de/weiterbildung/zertifikat-medienethik/studieren
  22. https://www.hfph.de/weiterbildung/zertifikat-medizinethik/studieren
  23. https://www.hfph.de/weiterbildung/zertifikat-wirtschaftsethik/studieren
  24. https://www.hfph.de/studieninteressierte/modulstudium-philosophicum/studieren
  25. https://www.hfph.de/studieninteressierte/leadership-zertifikat
  26. https://www.hfph.de/studieninteressierte/globale-solidaritaet
  27. https://www.hfph.de/studieninteressierte/modulstudien-philosophie-tum
  28. Louis Berger: Vortragsabsage in München: Was der Fall Sebastian Ostritsch zeigt. In: Bistum Münster, Kirche und Leben. 1. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025
  29. Thomas Thiel: Sieg der Intoleranz über die akademische Freiheit. Die Münchner Hochschule für Philosophie beugt sich dem Druck von Aktivisten und sagt einen Vortrag ab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. November 2025, S. 13.
  30. Hochschule für Philosophie: Stellungnahme: Die HFPH als Ort akademischer Debatten und des offenen Dialogs. 29. November 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  31. Alexander Cammann: Sebastian Ostritsch: Wenn Katholiken canceln. In: www.zeit.de. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  32. Elke Bodderas: Interview: Wie ein Katholik von einer Jesuiten-Hochschule gecancelt wurde: «Ich war selber knalllinks». In: www.nzz.ch. 28. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  33. Gustav Seibt: Kulturkampf: Wenn der Gast die falsche Meinung hat. In: www.sueddeutsche.de. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  34. Stellungnahme: Die HFPH als Ort akademischer Debatten und des offenen Dialogs - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 18. Januar 2026 (deutsch).
  35. „Causa Ostritsch“: Auf einmal ist die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr? Abgerufen am 18. Januar 2026.
  36. Kirche und Leben, Münster Germany: Vortragsabsage in München: Was der Fall Sebastian Ostritsch zeigt. 1. Dezember 2025, abgerufen am 18. Januar 2026.
  37. Celine Edinger: Abgesagter Vortrag an Münchner Hochschule: Wo hört Wissenschaftsfreiheit auf? | Sonntags. Abgerufen am 18. Januar 2026.
  38. https://www.hfph.de/hochschule/nachrichten/alumni-im-portraet-jun-prof-dr-dr-benedikt-goecke
  39. https://fdp-muenchen-west.de/news/dr-lukas-koehler-fuer-sie-in-den-bundestag/
  40. https://www.lukaskoehler.de/
  41. https://presseportal.zdf.de/biografie/Person/stefan-leifert/
  42. https://www.hfph.de/hochschule/nachrichten/alumni-im-portraet-nathalie-von-siemens
  43. Vogt, Katja Maria: Skepsis und Lebenspraxis – Das pyrrhonische Leben ohne Meinungen. Alber, München: 1998. S. 2

Koordinaten: 48° 8′ 56,1″ N, 11° 34′ 59,8″ O